Elbquartett

NDR Kammerkonzerte

Witold Lutosławski
Streichquartett
Franz Schubert
Quartettsatz c-Moll D 703
Ludwig van Beethoven
Streichquartett e-Moll op. 59,2

Kein Komponist hat so viele Fragmente hinterlassen wie Franz Schubert. Wenn es nicht lief, legte er ein angefangenes Stück einfach beiseite und begann ein neues. Schuberts Quartettsatz von 1820 ist so etwas wie seine „Unvollendete“ im Kammermusikbereich. Nach seinen frühen, für die Hausmusik im Familienkreis geschriebenen Quartetten stellte sich Schubert hier einem deutlich gesteigerten Anspruch. Dabei gelang ihm mit dem ersten Satz des geplanten Quartetts ein echtes dramatisches Meisterwerk; doch nach 41 Takten des zweiten Satzes brach er ab. „Wie soll man ein neues Werk einstudieren, wenn man keine Partitur hat?“ So klagten die Mitglieder des LaSalle-Quartetts, als sie 1964 die Uraufführung von Witold Lutosławskis Streichquartett vorbereiteten. Statt einer ausgeschriebenen Partitur hatte der Komponist ihnen nämlich nur ein Konvolut von Einzelstimmen übersandt. Ganz bewusst stellte Lutosławskis seine Interpreten vor die Aufgabe, einen eigenen Weg durch dieses Noten-Mobile zu finden. So bleibt jede Aufführung von Lutosławskis Quartett eine schöpferische Leistung der Interpreten und damit grundsätzlich einzigartig. Reine Harmonie herrscht dagegen in Beethovens zweitem Rasumowsky-Quratett – jedenfalls wenn man dem Gewährsmann Carl Czerny glauben will. Der zweite Satz „fiel ihm [Beethoven] ein, als er einst den gestirnten Himmel betrachtete und an die Harmonie der Sphären dachte“, so überlieferte es Czerny. Dass Beethoven in dem Quartett außerdem ein russisches Volkslied verarbeitete, verdankt sich dagegen dem Umstand, dass der Auftraggeber der Werke der russische Gesandte in Wien, Graf Rasumowsky, war.

Elbquartett:
Motomi Ishikawa Violine
Barbara Gruszczynska Violine
Aline Saniter Viola
Bettina Bertsch Violoncello