Die Möwe - Hamburgische Staatsoper
Ist Anton Tschechows literarische Vorlage ein Stück über das Theater und das Schreiben im zaristischen Russland zur Jahrhundertwende, so ist John Neumeiers "Die Möwe" ein Stück über das Ballett, den Tanz und die Choreografie zu eben jener Zeit. Der junge Kostja wird so zum rastlosen Schöpfer einer fiktiven Tanz-Avantgarde, seine Mutter, die Primaballerina Irina Arkadina, zur Vertreterin der alten Schule, ihr Liebhaber Boris Trigorin zu einem arrivierten Tänzer-Choreografen, und die junge Nina zur anrührenden Revuetänzerin auf der Suche nach sich selbst.
Im Zentrum steht das Spannungsverhältnis zwischen Kunst und Liebe, zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Neumeier macht dabei sichtbar, was in Tschechows Drama oft nur angedeutet bleibt: die feinen Nuancen von Macht, Abhängigkeit und Verlangen, die in jeder Generation neu auftreten und der Geschichte ihre zeitlose Gültigkeit verleihen.