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28. März 2021
Kultur & Lesungen

Deutsche Kabarettisten

Eine Kleinkunstform mit Höhen und Tiefen

Deutsche Kabarettisten Saal

Die Anfänge des Kabarett liegen weit in der Vergangenheit Anfang der 1880er Jahre in Paris. Mit dem cabaret artistique von Rodolphe Salis wurde das erste Kabarett eröffnet. Schnell fand die neue Kunstform großen Anklang und verbreitete sich wie ein Lauffeuer. Auch in Deutschland feierte das Kabarett seine Blütezeit. In diesem Artikel erhalten Sie alle Informationen über den Kabarett-Begriff, die Geschichte des deutschen Kabarett sowie einen Überblick über frühere und aktuelle deutsche Kabarettisten.

Was ist Kabarett?

Das Kabarett ist eine Kleinkunstform, in der darstellende Kunst (schauspielerische Szenen, Monologe, Dialoge und Pantomime), Lyrik (Gedichte, Balladen) oder Musik oft in Form der Satire oder Polemik miteinander verknüpft werden. Die Intention dieser Kleinkunstform ist es gesellschaftskritisch, komisch-unterhaltend und/oder künstlerisch-ästhetisch zu sein. Oft verschwimmen die Grenzen zwischen Kabarett zu Comedy und Stand-up-Comedy. Derzeitige bekannte Entertainer wie zum Beispiel Michael Mittermeier, Django Asül, Josef Hader oder Alfred Dorfer können nur schwer eindeutig dem Kabarett oder der Comedy zugeordnet werden. Im Vordergrund eines Kabarett steht oft eine pointierte Kritik öffentlicher Ereignisse oder Personen aus der Politik und Gesellschaft. Bei der Comedy und Stand-up-Comedy werden eher die komische Schilderung von Konflikten mit der eigenen Umwelt fokussiert. Durch die Verbindung vom Schauspiel mit seinen epischen und dramatischen Elementen, Lyrik und Musik entstehen viele unterschiedliche Kabarettformen. Zu den häufigsten Stilelementen des Kabarett zählen die Satire und Parodie, die sich dann in einem Sketch ausdrücken, sowie Sarkasmus und Ironie.

Kabarettveranstaltungen sind in „Nummern“ wie Sketches, Lieder, Parodien und Schmähreden aufgeteilt, die durch Conférencen verbunden werden. Weiterentwickelt zu einer zwanglosen poetischen Erzählung wurde dieses „Nummernkabarett“ in Österreich unter anderem von Josef Hader und Alfred Dorfer. Eine Sonderform des Kabarett stellt das „Vortragskabarett“ dar, wobei hier alle Stilelemente eines konventionellen Bühnenvortrags wie ein Beamer, Overheadprojektor oder Flipchart mit schauspielerischen Elementen (Kostüm, Maske, Gesang usw.) verbunden wird. Traditionell findet Kabarett auf einer Bühne vor Publikum und seit den 1960er Jahren in Hörfunk und Fernsehen statt.

Geschichte des deutschen Kabarett

Nachdem die Anfänge des Kabarett in Paris in den 1880ern liegen, kam das Kabarett Anfang 1900 in Deutschland an. Ernst von Wolzogen mietete in Berlin in der Alexanderstraße 4 die Sezessionsbühne und eröffnete am 18. Januar 1901 die Kleinkunstbühne „Überbrettl“, die jedoch bereits mit Ende der Spielzeit 1902/03 ihre Türen schloss. Zur selben Zeit bildete sich in München die Gruppe Elf Scharfrichter, die ihr Kabarett nach einer Europatournee und anschließender Auflösung der Gruppe 1904 nach Wien brachten. Zu einem der ersten Kabarettstars in Deutschland gehörte Otto Reutter, dessen Couplets inzwischen 100 Jahre überdauert haben. Aufgrund der strengen Theaterzensur im Kaiserreich war im Kabarett im beginnenden 20. Jahrhunderts jegliche Form der öffentlichen Kritik verboten. Aufgehoben wurde diese Zensur mit Ende des Ersten Weltkrieges. Es kam daraufhin zur Blütezeit des deutsche Kabarett. Zahlreiche Kabarettisten wie Otto Reutter, Claire Waldoff, Werner Finck, Hans Deppe, Isa Vermehren, Rudolf Platte, Ivo Veit und Karl Valentin feierten große Erfolge.

Als bekannte Kabarett-Drehbuchautoren galten damals Kurt Tucholsky und Erich Kästner. Nachdem die NSDAP die Macht übernahm, wurde das Kabarett bekämpft und die Künstler verfolgt. Finck wurde 1935 verhaftet und im KZ Esterwegen interniert, Tucholsky starb Ende desselben Jahres an einer Überdosis Tabletten und Ehrlich wurde am 1. Oktober 1944 in Auschwitz ermordet. Es flohen zu dieser Zeit viele deutschsprachige Kabarettisten ins Exil in die Schweiz, nach Frankreich, Skandinavien oder in die USA. Als Folge gab es in Deutschland nur noch das staatlich kontrollierte Kabarett, das immer stärker zu einer Bühne für volksdeutsche Witzeerzähler verkam oder das Publikum zum Durchhalten aufforderte. Nach dem Machtwechsel sorgten die Besatzungsmächte dafür, den Deutschen die Gräuel der nationalsozialistischen Herrschaft näher zu bringen. Das Theater und Kabarett wurde wieder in Gang gesetzt und neue und bisher verbotene Stücke wurden auf die Bühne gebracht. Im Westen entstanden die „Tol(l)eranten“ in Mainz, das „Kom(m)ödchen“ in Düsseldorf, „Die Schaubude“ in München und die „Münchner Lach- und Schießgesellschaft“.

Die Programme der Kabarettisten der 1950er Jahre fanden durch die Entdeckung der Satire als kabarettistisches Stilmittel erstmals großen Anklang. In Berlin-Ost wurde 1953 „Die Distel“ als erstes staatliches Kabarett der DDR eröffnet – zensiert und ohne staatskritische Themen. In den 1960er Jahren feierten in Westdeutschland vor allem Kabarettisten wie Wolfgang Neuss, Heinz Erhardt oder Werner Finck neben den großen Kabarett-Ensembles aus Düsseldorf, München und Berlin mit ihrem Wortwitz große Erfolge. Ende der 1960er Jahre spaltete die Studentenbewegung Teile des Kabaretts in Deutschland. In den 1970er Jahren entstanden neue Formen des Kabaretts wie Dieter Hildebrandts kabarettistische TV-Sendung „Notizen aus der Provinz“ und ab 1977 das Szenekabarett „Die 3 Tornados“.

Noch in den ausgehenden 1980er Jahren war politisches Kabarett in der Bundesrepublik ein angesehener Teil der Gesellschaftskritik und gewann nach der Vereinigung von Bundesrepublik und DDR mehr Bedeutung. Matthias Beltz und Mathias Richling setzten als neue Künstler Zeichen. Verdrängt wurde das Kabarett erneut in den 1990er Jahren gleich von mehreren Seiten. Durch den Comedy-Boom, das Privatfernsehen und die damit verbundene Prioritätensetzung der öffentlich-rechtlichen Anstalten sowie ein geringer werdendes Interesse des Publikums ging der Andrang auf das Kabarett zurück. In der ARD verblieb einzig die Sendung „Scheibenwischer“ im Programm bzw. die Nachfolge-Sendung unter dem Titel „Satire Gipfel“ mit Mathias Richling. Seit September 2015 wird im ZDF zudem die Kabarett-Late-Night-Show „Mann, Sieber!“ mit Christoph Sieber und Tobias Mann ausgestrahlt.

Bekannte deutsche Kabarettisten

Werner Finck

Der deutsche Kabarettist, Schauspieler und Schriftsteller machte in verschiedenen Laienspielgruppen erste Theatererfahrungen. Sein erstes Engagement als Schauspieler hatte er am Theater von Bunzlau wo er sein komödiantisches Talent entdeckte. Mit 27 Jahren gründete Finck 1929 in Berlin mit Hans Deppe das Kabarett Die Katakombe. Seine Programme beinhalteten viele markabere Wortspiele, wie beispielsweise über die von ihm vermeintlich gepflanzte Hitler-Eiche. 1935 wurde er verhaftet und in das Konzentrationslager Esterwegen gebracht. Finck erhielt daraufhin ein Jahr Arbeitsverbot. Zu den Olympischen Spielen 1936 schrieb er jedoch wieder für das Berliner Tageblatt eine mit Wortspielen gespickte Kolumne. Als Kabarettist durfte er ab 1937 wieder im Kabarett der Komiker auftreten.

Nachdem er 1939 aus der Reichskulturkammer ausgeschlossen wurde und einer neuerlichen Verhaftung entgehen wollte, meldete er sich 1939 freiwillig zum Kriegsdienst und wurde zum Funker ausgebildet. Von 1945 bis 1949 veröffentlichte er zusammen mit Hans Bayer in Stuttgart Das Wespennest die erste deutsche satirische Zeitschrift nach dem Zweiten Weltkrieg. 1946 trat Werner Finck im Schmunzelkolleg auf und gründete „Die Schmunzelpartei“. Er gründete bzw. leitete die Kabaretts Nebelhorn in Zürich (1947) und Mausefalle in Stuttgart (1948), wo er erstmals seine Erinnerungen in ein Programm fasste. 1964 folgte Fincks Programm Bewältigte Befangenheit in der Münchner Lach- und Schießgesellschaft. Des Weiteren besetzte er in zahlreichen Spielfilmen Nebenrollen.

Heinz Erhardt

Heinz Erhardt war ein Multitalent. Er war Komiker, Musiker, Komponist, Unterhaltungskünstler, Kabarettist, Schauspieler und Dichter. Im Kindesalter wurde ihm von seinen Großvater das Klavierspiel beigebracht. Von 1928 bis 1938 arbeitete Erhardt in Riga in der Kunst- und Musikalienhandlung des Großvaters Paul Neldner. Nebenbei präsentierte er auch selbst komponierte und komische Texte und Lieder in den Kaffeehäusern der Stadt. 1937 trug er eigene Lieder in Programmen der Reichssender Königsberg und Danzig vor. Willi Schaeffers entdeckte 1938 sein Talent und holte ihn nach Berlin an das Kabarett der Komiker. Im Zweiten Weltkrieg wurde Erhardt 1941 zum Kriegsdienst einberufen. In Stralsund war er für das Orchester als Klavierspieler tätig. Während seines Dienstes schrieb er diverse Friedensgedichte.

Nach dem Krieg arbeitete er in Hamburg als Radiomoderator beim NWDR. Seine erste bekannte Sendung hieß So was Dummes. Auch seine 10-Pfennig-Oper wurde 1948 mit ins Programm genommen. Seine größten Erfolge feierte er ab 1957 im Kino als Hauptfigur in Filmkomödien wie Der müde Theodor, Witwer mit fünf Töchtern, Der Haustyrann, Immer die Radfahrer, Natürlich die Autofahrer und Was ist denn bloß mit Willi los? . In vielen seiner Filmrollen verkörpert er eine Art netten, aber etwas verwirrten und schüchternen Familienvater oder Onkel, der gerne Unsinn erzählt. Gleichzeitig versuchte er meist, den typischen Deutschen aus der Zeit des Wirtschaftswunders darzustellen.

Mathias Richling

Mathias Richling ist ein deutscher Kabarettist, Parodist, Autor und Schauspieler. Schon während seines Studiums von 1972 bis 1981 stand er als Kabarettist auf der Bühne. Bundesweite Aufmerksamkeit erreichte er erstmals durch die von 1989 bis 1990 im Ersten der ARD jeweils nach den Tagesthemen ausgestrahlten fünfminütigen Satiresendung Jetzt schlägt’s Richling. Seine Sendung wurde von konservativer Seite stark kritisiert und nach 16 Folgen wieder abgesetzt. Im dritten Programm wurde sie bis 1996 fortgesetzt. Seit 1996 präsentiert Richling die vom SWR produzierte Sendung Zwerch trifft Fell, die sich heute Die Mathias Richling Show nennt.

Des Weiteren gehöret er von 2003 bis 2008 zur Stammbesetzung der ARD-Sendung Scheibenwischer. Nach deren Einstellung führte Richling von 2009 bis 2010 durch die Nachfolgesendung Satire Gipfel, bei welcher er 2011 von Dieter Nuhr abgelöst wurde. In seinen mitunter mit hoher Geschwindigkeit vorgetragenen Programmen schlüpft er häufig in die Rollen bekannter Persönlichkeiten, meist in die von (nicht selten weiblichen) Politikern. Dabei karikiert er durch humorvolle und bisweilen bizarre Übertreibung das Nichtssagende und Widersprüchliche ihrer öffentlichen Auftritte und transportiert so, scheinbar beiläufig, teils scharfe inhaltliche Kritik.

Tobias Mann

Tobias Mann war bevor er sich als Kabarettist und Comedian einen Namen machte oft im Fernsehen bei der Show Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht bekannt zu sehen. In dieser trat er erstmals 1997 auf. Seine ersten drei Kabarett-Programme trugen die Namen „Man(n) sieht sich! Ein Endzwanziger in Wort und Lied.“, „Man(n)tra – Der Sinn des Lebens in zwei Stunden.“ und „Durch den Wind. Und wieder zurück.“ Im September 2013 feierte Mann mit seinem vierten Programm „Verrückt in die Zukunft“ im Mainzer Unterhaus Premiere. Er beherrscht zudem die Instrumente Klarinette, Saxophon, Klavier und Gitarre. Auf der Bühne tritt der Mainzer meist mit Gitarre oder Klavier auf.

Sehen Sie hier den Auftritt von Tobias Mann bei Pufpaffs Happy Hour:
https://www.3sat.de/kabarett/pufpaffs-happy-hour

Tobias Mann hatte bisher zahlreiche Fernsehauftritte in bedeutenden Kabaretts und Comedysendungen, wie „Volker Pispers und Gäste“, „Mitternachtsspitzen“, „Satire Gipfel“, „Nightwash“ oder bei „Neues aus der Anstalt“. Von Anfang 2010 bis Ende 2011 führte er unter dem Titel „Mann an Bord“ im WDR-Fernsehen durch eine eigene Sendung. Im gleichen Zeitraum moderierte er die WDR Comedy-Sendung „Fun(k)haus“. Im Jahre 2011 trat er bei „Verstehen Sie Spaß“ auf und seit 2012 moderiert Mann das WDR5 Radioformat „Kabarettfest“ aus dem Bonner Pantheon Theater. Aktuell moderiert er seit September 2015 zusammen mit Christoph Sieber die Kabarett-Late-Night-Sendung „Mann, Sieber!“ im ZDF.

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